Bevölkerungsrückgang in Deutschland trotz Zuwanderung

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Transparenzhinweis – Beitrag mit Unterstützung von KI erstellt

Deutschland ist wieder in einer demografischen Phase angekommen, die lange als überwunden galt. Nach Jahren eines meist stabilen oder steigenden Bevölkerungsstands zeigt die aktuelle Schätzung für das Jahr 2025 einen Rückgang. Das Besondere daran: Der Einbruch ist nicht allein mit weniger Zuzug erklärbar, sondern mit einem Zusammenspiel aus sinkenden Geburtenzahlen, anhaltend hohen Sterbefällen und einer deutlich schwächeren Nettozuwanderung. Die Entwicklung markiert einen Einschnitt, weil sie deutlich macht, wie schmal der Korridor geworden ist, in dem Migration die demografische Lücke noch schließen kann.

Deutschland schrumpft wieder: Was die neuen Schätzungen zeigen

Zum Jahresende 2025 lebten in Deutschland rund 83,5 Millionen Menschen. Das sind etwa 100.000 weniger als zum Jahresende 2024. Damit ist die Bevölkerungszahl erstmals seit 2020 wieder gesunken. In den Jahren dazwischen hatte Deutschland – mit einer Ausnahme im ersten Corona-Pandemiejahr – überwiegend Zuwächse verzeichnet, getragen vor allem durch Wanderungsgewinne.

Die aktuellen Zahlen beruhen auf einer ersten Schätzung, die bereits vorliegende Monatswerte zu Geburten sowie Zu- und Fortzügen bis Oktober 2025 einbezieht; fehlende Werte für November und Dezember wurden geschätzt. Bei den Sterbefällen flossen vorläufige Auswertungen mit Stand Ende Januar 2026 ein. Das Bild ist dennoch klar: Der demografische Gegenwind hat zugenommen, und die bisherigen Ausgleichsmechanismen greifen schwächer.

Geburtendefizit: Die strukturelle Lücke wird größer

Der Kern der Entwicklung bleibt das Geburtendefizit. Auch 2025 starben in Deutschland deutlich mehr Menschen, als geboren wurden. Die Zahl der Geburten wird für 2025 auf etwa 640.000 bis 660.000 geschätzt, während die Zahl der Sterbefälle bei gut einer Million lag. Daraus ergibt sich ein Geburtendefizit von rund 340.000 bis 360.000 Personen.

Diese Lücke ist nicht neu, aber ihre Größenordnung ist brisanter geworden. In den 2010er-Jahren fiel das jährliche Geburtendefizit im Durchschnitt deutlich kleiner aus. Der Trend verweist auf eine Alterung der Gesellschaft, aber auch auf die Tatsache, dass selbst eine moderate Veränderung bei Geburten oder Sterbefällen sofort große Wirkungen entfaltet, wenn die demografische Basis bereits schmal ist.

Nettozuwanderung: Warum Migration 2025 nicht mehr ausreichte

Dass die Bevölkerung 2025 trotz Zuwanderung schrumpfte, hängt vor allem mit der deutlich geringeren Nettozuwanderung zusammen. Der Wanderungssaldo wird auf etwa 220.000 bis 260.000 Personen geschätzt. Damit lag er um mindestens 40 Prozent unter dem Wert des Jahres 2024, als die Nettozuwanderung bei rund 430.000 gelegen hatte.

In der Summe bedeutet das: Selbst ein weiterhin positiver Wanderungssaldo konnte das deutlich größere Geburtendefizit nicht mehr kompensieren. Der Mechanismus, der in den vergangenen Jahren häufig die demografische Bilanz stabilisierte, verlor an Kraft. Für die politische und wirtschaftliche Debatte ist das ein wichtiger Hinweis, weil er zeigt, dass „Zuwanderung“ nicht automatisch „Bevölkerungswachstum“ bedeutet, sobald die natürliche Bevölkerungsbilanz stark negativ ist.

Arbeitsmarkt und Demografie: Zuwanderung bleibt zentral, aber nicht grenzenlos wirksam

Parallel zu den Bevölkerungszahlen unterstreichen Arbeitsmarktdaten, wie stark Deutschland mittlerweile auf ausländische Beschäftigte angewiesen ist. In den vergangenen Jahren wurde Beschäftigungswachstum zunehmend – teils ausschließlich – von ausländischen Arbeitskräften getragen, während die Zahl der Erwerbstätigen mit deutscher Staatsangehörigkeit eher rückläufig war. Der Anteil ausländischer Beschäftigter ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, was die Bedeutung von Migration für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unterstreicht.

Genau hier liegt jedoch die Spannung: Selbst wenn Zuwanderung arbeitsmarktpolitisch entlastet, muss sie demografisch nicht automatisch ausreichen, um die Gesamtbevölkerung stabil zu halten. Sinkt die Nettozuwanderung, wird die demografische Lücke sofort sichtbar. Zugleich steigen die Anforderungen an Integration, Anerkennung von Qualifikationen und langfristige Bindung von Fachkräften, damit Zuzug nicht nur kurzfristige Effekte erzeugt.

Fazit

Der Bevölkerungsrückgang im Jahr 2025 ist weniger ein überraschender Bruch als ein Warnsignal mit Zahlen. Ein hohes Geburtendefizit trifft auf eine Nettozuwanderung, die deutlich niedriger ausfällt als im Vorjahr. Das Ergebnis ist ein Minus, das zeigt, wie abhängig die demografische Stabilität inzwischen von der Höhe der Wanderungsgewinne geworden ist. Für die kommenden Jahre deutet sich damit eine Phase an, in der Deutschland demografische Verluste nicht mehr selbstverständlich durch Zuzug ausgleichen kann – und in der die Verbindung von Familienpolitik, Arbeitsmarktintegration und Migrationssteuerung noch stärker über Wohlstand und gesellschaftliche Tragfähigkeit mitentscheidet.

Quellen

WELT: https://www.welt.de/politik/deutschland/article697b0a1822446308a2436a29/deutschland-bevoelkerung-sinkt-erstmals-seit-jahren-trotz-zuwanderung.html

Statistisches Bundesamt (Destatis) via Presseportal: https://www.presseportal.de/pm/32102/6206158

n-tv: https://www.n-tv.de/ticker/Einwohnerzahl-in-Deutschland-erstmals-seit-Jahren-zurueckgegangen-id30299025.html

WELT (dpa): https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article69782ceefe9fcdf90e7ca962/bedeutung-auslaendischer-beschaeftigter-steigt.html

Verfasst von hajo